Systemisches Coaching: Unser Verständnis
Unser Verständnis von Coaching
Coaching ist die individuelle und professionelle, prozessbezogene, zeitlich begrenzte Begleitung eines Klienten, um seine angestrebte oder notwendige Veränderung (i.d.R. eine Weiterentwicklung oder Optimierung) zu unterstützen und dazu unter Berücksichtigung ethischer Richtlinien Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
Im Zentrum des Coachings stehen primär (aber nicht notwendigerweise) die Arbeit des Klienten und seine daraus abzuleitende Verantwortung. Die Themen ergeben sich aus dem Coaching-Auftrag und der angestrebten Zielsetzung des Klienten, der jederzeit die Kontrolle behält und ggf. auch Grenzen setzt.
Häufig geht es (auch im beruflichen Kontext) darum, den Klienten in seiner Persönlichkeit zu stärken, weswegen immer auch private Themen Bestandteil des Coachings sein/werden können. In der Regel werden dazu dem Klienten seine bereits vorhandenen und zieldienlichen aber momentan nicht fokussierten (evtl. verdeckten) Ressourcen wieder sichtbar und zugänglich gemacht. Es gilt also, Potenziale wiederzuerkennen und zu erweitern.
Sach- und Fachthemen haben je nach Branche, Bereich und Rolle des Klienten ein unterschiedlich hohes aber (selbst im beruflichen Kontext dennoch) immer ein untergeordnetes Gewicht, denn die wesentliche Arbeit des Coachs ist (häufig über weite Strecken inhaltsfreie) Prozessarbeit.
Abgrenzung von anderen Formen der Beratung
Coaching grenzt sich daher klar von der klassischen Beratung, dem Training, der Supervision oder der Mediation ab.
Unser Verständnis vom Coach
Der Coach ist primär ein kritischer Beobachter, neutraler Gesprächs- und Interaktionspartner mit ehrlichem Interesse am Erfolg des Klienten; nicht aber der Problem- oder Konflikt-Löser.
Persönliches, zieldienliches, neutrales, ungefiltertes, unbefangenes und uneigennütziges Feedback durch den Coach sowie praxisorientiertes Training in geschütztem Rahmen können die überwiegend arbeitsbezogene Selbstreflexion des Klienten begleiten.
Auf Wunsch schlüpft der Coach auch zeitlich begrenzt in die Rolle eines professionellen Sparring-Partners. In geschütztem Rahmen können dann, ohne Sorge vor Macht-, Image- oder Gesichtsverlust und ohne Interessenskonflikte, vorbereitend der Ernstfall simuliert und verschiedene Alternativen durchgespielt, geprüft und einstudiert werden.
Was zeichnet einen guten (systemischen, konstruktivistisch geprägten, ziel- und lösungsorientierten) Coach darüber hinaus noch aus?
- Ein guter Coach ist Coach aus Leidenschaft.
- Ein guter Coach hat eine fundierte Coaching-Methodenkompetenz, messbar über:
- die Qualität, das Ausmaß und die Zieldienlichkeit seiner Arbeitsmittel, Instrumente und Methoden (zieldienlich heißt dem Kontext und der Situation angemessen und hilfreich),
- Art, Umfang, prozessualer und zeitlicher Abfolge des Coachings und
- letztendlich die zieldienlichen (Verhaltens-) Änderungen seiner Klienten.
- Ein guter Coach besitzt Sinnesschärfe und Flexibilität.
- Ein guter Coach besitzt Feldkompetenz, Beratungs- und Lebenserfahrung.
- Ein guter Coach lebt eine größtmögliche Offenheit nach innen (Transparenz im Vorgehen, Ehrlichkeit im Feedback) und einen vertrauensvollen Umgang mit den Inhalten nach außen (der Klient bestimmt, ob und was nach außen kommuniziert wird; Vertrauliches bleibt vertraulich).
- Ein guter Coach fühlt sich ethischen Grundsätzen und Verhaltensnormen verpflichtet.
- Ein guter Coach begegnet seinen Klienten mit wertschätzender und wohlwollender Grundhaltung, in gegenseitigem Respekt, gleichberechtigt und auf gleicher Augenhöhe in deren „Wirklichkeit“.
- Ein guter Coach sorgt dafür, dass es dem Klienten nach dem Coaching besser (und möglichst gut) geht und dass er anschließend (wieder) mehr Wahl- und Handlungsmöglichkeiten besitzt. Dabei werden sowohl die neuen (im Coaching erworbenen) Handlungsoptionen als/aber auch das bereits vorhandene (und bleibende) Verhaltensrepertoire (Denk- und Verhaltensmuster des Klienten) unter ökologischen Gesichtspunkten auf Zieldienlichkeit im benötigten Kontext geprüft.
- Ein guter Coach hat (s)einen individuellen, authentischen und kongruenten Coaching-Stil.
- Ein guter Coach glaubt daran, dass der Klient alle nötigen Ressourcen besitzt und dass eine im Coaching erarbeitete Lösung wirklich der Erfolg des Klienten ist. Er will daher eine Abhängigkeit des Klienten vom Coach(ing) auf alle Fälle vermeiden und hält es für falsch, jedes ausgesprochene oder hinein interpretierte ‚Defizit‘ zu bearbeiten oder sich aktiv Folgeaufträge zu holen. Für einen guten Coach ist daher eine enge zeitliche Begrenzung des Coachings – ein sich schnellstmöglich wieder entbehrlich machen – kein reines Lippenbekenntnis.
- Ein guter Coach bringt die Wertschätzung seinen Klienten nicht nur im Coaching entgegen. Er weiß um die positive Absicht hinter allen Handlungen und um die systemische Bedingtheit von Eigenschaften.
Coaching-Ansätze und persönlicher Stil
Wir halten nichts von Abwertungsgebärden gegenüber anderen (therapeutischen) Schulen oder Coaching-Ansätzen. „Ganz im Gegenteil“ – wir plädieren für eine beliebige Kombination verschiedener Coaching-Ansätze sowie unterschiedlicher Coaching-Methoden und –Werkzeuge, solange dies professionell und zieldienlich geschieht. Denn jeder Coaching-Ansatz, wie z.B. der systemische konstruktivistische oder der NLP-Ansatz basiert, wie jeder andere Ansatz (z. B. der tiefenpsychologische Ansatz) auch, auch nur auf einem Modell der Welt und damit auf einer Wirklichkeitskonstruktion. Kein Coaching-Ansatz kann/sollte daher für sich einen Anspruch auf „Wahrheit“ erheben.
So gibt es beispielsweise auch für einen überzeugten und professionellen systemischen Coach eine Reihe von Problemen, bei denen der klassische Problemlösungsansatz sehr sinnvoll ist und auch ein noch so strikt lösungsorientiert ausgerichteter Coach sollte akzeptieren, dass es in anderen Modellen der Welt auch Ansätze geben mag, bei denen eine problem- und ursachenorientierte Vorgehensweise nicht notwendigerweise schädlich – vielleicht sogar sinnvoll ist.
Uns scheint es daher für uns sinnvoll, viele Ansätze zu kennen und für uns das zu adaptieren und in unser bisheriges Coaching-Repertoire zu übernehmen, was für uns stimmig ist. Aus unserer Sicht muss ein guter Coach seinen eigenen, individuellen Coaching-Stil entwickeln.
Grenzen im Coaching
- Wir arbeiten als professionelle Coaches und wir halten uns an die ethischen Grundsätze unseres Berufsstands.
- Manchmal setzen der Auftraggeber oder der Klient gezielt Grenzen; diese gilt es einzuhalten.
| Extrem seltene Härtefälle: |
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